Presse

 

 

She loves you...
BEATLES-MUSICAL
19.11.2001, Musical Dome, Köln

 
 

Die Beatles als Musical? Ziemlich skeptisch saßen wir in den hinteren Reihen des Musical Domes. Was würden wir gleich erleben (müssen)? Zwei jugendliche Schauspieler, mit Dialogen wie dieser: “Hi, ich bin John.”  “Und ich bin Paul.” “Laß uns zusammen Musik machen!” “Yeah!”? Würden dazu leichtbekleidete Mädchen über die Bühne hüpfen? “She loves you, yeah, yeah, yeah!” ?? Das Vorprogramm ließ nichts Gutes erwarten. Während auf der Bühne das Schlagzeug mit dem vertrauten Beatles-Schriftzug zu sehen war, lief im Hintergrund auf der Leinwand ein Werbefilm über ein Kurbad ab. Man sah viele alte Leute, die in Badekleidung langsam durch irgendein Heilwasser wanderten, oder gemeinsam in großen Whirlpools saßen. Alles sehr stimmungstötend und völlig unpassend. Klar, die Original-Beatles-Fans waren zum Teil im kurfähigen Alter, aber an diesem Abend wollte da niemand dran erinnert werden. Als der Film endlich fertig war, brummte Rüdiger zur Freude der Nachbarn: “Nee, das hat ja jetzt schon richtig Spaß gemacht!”

Der Musical-Dome war fast voll, es gab nur wenige freie Restplätze im hinteren Seitenteil, und ein großer Teil des Publikums war über 50 und hatte die Beatles noch richtig miterlebt. Als ein ziemlich gut gekleidetes Paar auf seine Plätze ging, meckerte ein Mann hinter uns: “Zu den Beatles im Anzug! Das ist ja wohl overdressed!”

Das Stück begann und mir gefiel es sofort. Mit ganz wenig Dekorationen war im Vordergrund der Bühne ein Plattenladen angedeutet und ein Kunde fragte nach “My Bonnie” von den Beatles. Der Verkäufer kannte die Gruppe nicht, versprach aber die Platte zu bestellen, da er schon mehrere Anfragen dazu bekommen hatte. Neugierig geworden besuchte er die Gruppe im ‘Cavern Club’, und auf dem hinteren Bühnenteil ging das Licht an und vier Beatles fetzten live mit “Rock’n Roll Music” los. Auf der Leinwand hinter der Gruppe wurden dazu Original-Filmausschnitte von den richtigen Beatles im Cavern-Club gezeigt und ich war sofort in der passenden Stimmung. Die Beatles auf der Bühne hatten Bewegungen und Mimik ihrer Vorbilder genau studiert und ich grinste verzückt über die schönen Beatles-Boots, die mir schon immer gefallen haben. Große Klasse! Die Musik war sehr gut gespielt und hatte einen wirklich tollen Klang. Wegen der technischen Möglichkeiten wahrscheinlich besser als die Beatles jemals klangen. Und John Lennon - er war es! Er bewegte sich wie John Lennon, sah aus wie John Lennon und hatte die Stimme von John Lennon. Unglaublich!

Der ebenfalls begeisterte Plattenverkäufer entpuppte sich als Brian Epstein, der die Gruppe unter Vertrag nahm. Bis dahin war das Stück in Englisch abgelaufen. Zunächst war ich etwas erschrocken, aber es war sehr gut zu verstehen, ich fand es eigentlich ganz logisch und freute mich sogar. Jetzt wurden die Zwischentexte deutsch gesprochen und das war fast schade. Leider stellte sich im weiteren Verlauf heraus, dass einige der deutschen Darsteller so grottenschlechtes Englisch sprachen, dass sie besser auf die authentische Sprache verzichtet hätten. So kam es, dass Brian Epstein gutes Deutsch mit stark britischem Akzent sprach, dafür George Martin mit extrem schlechter Aussprache durch sein Englisch holperte. Na ja. Es tat beim Hören manchmal weh, aber es ging. Glücklicherweise gab es nur kurze, sehr schön erklärende Zwischentexte, einige Original-Aussprüche der Beatles und ganz viel wirklich tolle Musik.

Sehr liebevoll waren kleine Szenen während der Songs eingebaut. Da wurde ein ohnmächtiger weiblicher Fan von einem Bobby mal eben über die Bühne getragen, in der vorderen Reihe jubelten Mädels mit einem großen Transparent in den Händen, und einmal stürmten sogar viele weibliche Fans kreischend auf die Bühne und wurden von überforderten Aufpassern herumgejagt. Es gab nur angedeutete Dekorationen, aber sobald die Szenen losspielten, war ich drin. Sehr gut und mit viel Liebe inszeniert. Pete Best war dabei, Stu Suttcliffe und sogar Astrid Kirchherr, die während eines Liedes Fotos machte, die Pilzkopf-Frisuren entwickelte und am Ende mit Stuart abzog. Klasse!  Besonders schön, wenn das Publikum auch in der Szene zum Publikum wurde. So sagte John zu UNS, dass die Zuschauer auf den billige Plätzen klatschen, und die anderen mit ihren Juwelen klimpern sollten. Perfekt, dass der John auf der Bühne dabei die gleiche entschuldigende Kopfbewegung machte, wie ich sie vom echten John in einem Filmausschnitt dieser Szene gesehen hatte.

Im Laufe des Abends wurde ich immer sentimentaler. Es war einfach nur schön die Beatles zu sehen und zu hören und ein bißchen in dieser Zeit dabeizusein. Sehr hilfreich waren dabei unsere hinteren Plätze, denn dadurch war die Illusion fast perfekt. Die Darsteller wechselten zeitgemäß ihre Kleidung und spielten mir vertraute Fotos oder Filmausschnitte sehr ähnlich vor. Ich war Zuschauer bei der Ed Sullivan Show, war dabei, als die Queen die MBE-Orden überreichte, hörte Sgt. Pepper ganz exclusiv, denn das hatten die Beatles niemals live gespielt, und guckte immer wieder fasziniert auf John, der mit seinen typisch weichen Bewegungen und den müden Augen auf der Bühne stand. Ich begleitete die Beatles nach Indien und ins Studio. John, der kaugummikauend vor dem Mikro saß, eine runde Sonnenbrille trug und mit nuschelnder Stimme seine Bemerkungen losließ, war einfach umwerfend gut. Und Paul schüttelte bei jedem gesungene “Huuu!” seinen Pilzkopf vor dem Mikro. Dazu immer das passende Outfit und die richtige Musik und zum Glück keine Tralala-Beatles-Tanzszenen! Als die Beatles erfuhren, dass Brian Epstein gestorben war, spielten sie auf der Bühne ganz ruhig “Long and winding road” und im Hintergrund liefen Bilder von Brian Epstein ab. Da kamen mir fast schon die Tränen, weil es so traurig und anrührend war.

Drei grobe Fehler gab es allerdings an diesem Abend: 1. Paul war plötzlich Rechtshänder und mir fiel es immer wieder auf, dass der tolle Beatles-Bass in den Händen von dem kopfschüttelnden Paul falsch herum war! 2. Ringo spielte unerwartet gut Schlagzeug und klopfte Rhythmen, die er früher niemals geschafft hätte (dafür sang er aber noch schlechter als der richtige Ringo.) 3. Yoko Ono konnte plötzlich richtig singen und röhrte mit Wahnsinnsstimme los. Das war total unpassend und wäre bei mir nicht durchgegangen. Während die anderen im Studio aufnahmen, sang sie “Oh Darling” und veranstaltete mit John ein Bed-In. Sehr schön zu sehen, aber da hätte Yokos piepsige Stimme mehr gepaßt.

Am Schluß wurde der letzte Auftritt auf dem Apple-Building an der Savile Roaw gezeigt. Die Beatles auf der Bühne spielten “Get back”, das Publikum ging rhythmisch mit, auf der Leinwand sah man Szenen des Verkehrschaos auf der Straße und ich war total gerührt und den Tränen nah. Ich dachte daran, dass John Lennon schon so lange tot war und George Harrison gerade in einer Klinik um sein Leben kämpfte. Die Beatleszeit war unwiderruflich vorbei. Alles hat seine Zeit und man kann sie nicht zurückholen. Trotzdem haben mich die Beatles mein ganzes Leben lang begleitet. Ich erinnerte mich, wie ich als Kind oft etwas über “diese verrückten Beatles” hörte und dass man über Leute mit längeren Haaren sagte: “Guck mal, da läuft ein Beatle!” Später lernte ich den Beatles-Fan Rüdiger kennen, der Sonntags vor Sonnenaufgang auf Flohmärkte fuhr, um über seltene Beatles-Bootlegs zu verhandeln. Immer schwebte das Gerücht einer Wiedervereinigung der Beatles durch die Welt. Dann der Moment, als ich im Autoradio die Nachricht von John Lennons Tod hörte; für einige Sekunden blieb die Welt stehen. Später die schönen Touren durch Liverpool und London auf den Spuren der Beatles, der Besuch von einigen Paul McCartney Konzerten (ebenfalls unvergeßlich der Moment, als ich in der zweiten Reihe stehend den Refrain von “A hard day’s night” laut mitsang, Paul McCartney mir grinsend in die Augen sah und wir wirklich gemeinsam sangen. Wow!), die Konzerte mit Ringo Starr, bei denen er jedesmal der schlechteste Musiker der Gruppe war, und, und, und.... Vor fast 40 Jahren wurde die Band gegründet, vor über 30 Jahren trennten sich die Beatles und sind trotzdem immer noch sehr gegenwärtig.

Es gab langen, herzlichen Applaus und Standing Ovation am Ende des Stückes und drei Zugaben, bei denen das Publikum zum Teil laut mitsang. “Hey Jude”, “Revolution” und “Come together” waren ein wirklich toller Schluß und die Stimmung war ringsherum sehr gerührt.

Es war ein sehr, sehr schöner Abend, mit toller Musik, einem sehr ähnlichen Paul McCartney, einem unglaublich echten John Lennon, guten Zwischendialogen und einer liebevollen, mit Kennerblick geschriebenen Geschichte. Dass manchmal George sang, auch wenn eigentlich John drangewesen wäre, konnte man gut verkraften.
Absolut zu empfehlen für alle Beatles-Fans!!!
Getourt wird in den nächsten Wochen durch ganz Deutschland, ein Zusatzkonzert in Köln gibt es Anfang Mai 2002. Es war nicht ganz billig, aber ich kann einen Besuch bei “She loves you” wirklich sehr empfehlen! Supergut!

Die Band tourt auch sonst als Beatles-Coverband unter dem Namen “Jonny & the Silverbeatles” und Eindrücke gibt es auf ihrer Homepage:  www.silverbeatles.de

 
 

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Nachtrag: Nur 10 Tage später hatte George Harrison den Kampf gegen seine Krankheit verloren. Er starb am 29.11.2001.